Texte & Poetry

Neue Mathematik 2.0

Wieviel Prozent bist du ganz bei dir?

Wie sehr bist du Körper? Mit Sinn, Empfindung, Haut und Knochen, Muskeln und Gewebe, Nerven und Organe? Was machst du mit instinktiven Regungen?

Wie viel Emotion erlaubst du dir und welche Bewegungen entstehen daraus? Im inneren Empfinden, im Tun im Außen? Kannst du emotional sein und gleichzeitig auf Drama verzichten? Weil das eine, ist nicht das andere.

Erwischt du die stimmigen Momente, um in kraftvolle Handlung zu gehen? Zur richtigen Zeit am richtigen Ort. Kraft, wie eine Raubkatze on point. Wie sehr liebst du es, still und ohne inneren Monolog zu sein? So still, dass Hunde stehenbleiben, Wind aufzieht und Bäume entzückt mit ihren Blättern rascheln.

Wieviel Zeit am Tag bist du ganz bei dir?

Das ist meist nicht so viel, wie wir vielleicht erstmal denken. Die Welt, das scheinbare Außen, lockt unentwegt. Unsere vertrauten Muster und Rollen, sind verlockend nah. Ablenkung ist überall. Wir Menschenwesen werden von klein auf an, darauf ausgerichtet, diesen Verlockungen zu folgen. Ohne Ablenkung werden wir schnell unruhig oder gelangweilt.

In welcher Tiefe schwimmst du durchs Leben? Wieviele Facetten deines Wesens kennst du und wieviele lebst du? Wie liest sich die Sammlung deiner inneren Schätze? Und wie würdest du mir die Erfahrung beschreiben, tief in dir verankert zu sein?

Zeichnung Katrin Pauline Müller

Wirklich bei dir zu sein, erfordert den Mut, »alleine« zu sein.

Da bleiben, tief bleiben und spüren, was dann ist – das machst du für dich alleine. Und wenn du ganz bei dir und somit »alleine« bist, siehst du, wie sich die Illusion der Angst vor dem Alleine Ganz bei dir, erinnerst du dich, dass du Teil dieser Kraft bist, die das ganze Universum durchzieht und belebt, wie pulsierende Adern. EIN lebender Organismus. Der Traum vom Ende des Privatbesitzes, von mein und dein, von besser und schlechter, von außen und innen – finally real.sein auflöst. Du lachst, denn du bist zuhause angekommen!

Das Leben braucht dein »Alleine sein«.

In der Quelle der Kraft, wird dein eigener Vibe spürbarer. Die Quelle, sprich du, jauchzt über unterschiedliche Vibes und fängt vor Freude zu leuchten an. Je vielfältiger und eigener wir sind, desto glücklicher und resilienter ist unsere gemeinsame Quelle. Du und ich und wir.

Dein Körper, deine Form ist ein absolut praktisches Eintrittstor, um zurück zum Zentrum des Universums zu gehen. Ja, Sinnlichkeit und Emotionen stehen ganz weit oben auf der Liste von Ablenkungen, die dich von dir selbst fern halten. Und ebenso können sie dich einsinken lassen, in die Tiefe begleiten. Bis zum Wesentlichen in dir.

Das ist es, was sich auf der Erde, in diesem Leben, in dieser Zeit verkörpern, inkarnieren, individualisieren will. Das Wesentliche weiß um seine Absicht und weiß, dass Trennung eine Illusion ist. Prozent und Zeit und Form sind eine Illusion, und doch sind sie da. Wie von Zauberhand ist alles weg und alles da. Erinnerst du dich an das Spiel hinterm Vorhang? Oder an die Schatten an der Höhlenwand?

Heute am Neumond nach Samhain, wenn das neue Jahr scheinbar unbemerkt beginnt, ist ein guter Moment, um nochmal vom Alten Abschied zu nehmen. Was darf sterben und gehen? Was willst du anrufen und einladen? In der Dunkelheit erwacht das, worauf es hinausläuft.

Im neuen Jahr will ich viele Momente ganz bei mir sein. Anstatt abgelenkt zu sein, möchte ich berauscht das Leben feiern.


See you on the other side.

(Veröffentlicht am 19.11.2021 in Matristische Moderne via Steady)

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